Die moderne philosophische Praxis in Deutschland ist mit inspiriert vom Gedankengut der Frankfurter Schule und dem Aufbegehren der 68er. Wirtschaftlicher Wohlstand ermöglichte seit Anfang der 80er Jahre für immer mehr Menschen, sich "liebend", d.h. als Amateur, mit Philosophie zu beschäftigen. 

Profis wie G. Achenbach haben sich schon früh mit einer Praxis niedergelassen, in der diskutiert und gelehrt wurde, persönliche Beratung und Seminare stattfanden. Inzwischen gibt es Philosophische Cafés und Gesprächskreise in jeder größeren Stadt. 

Ich berate vorwiegend Menschen mit Sinnkrisen, die aus eigenen Krankheiten oder den Einschränkungen von Angehörigen oder Freunden resultieren. Es gibt Telefon- und Email-Kontakte, Hilfe zur Selbsthilfe. Philosophisches Denken beginnt mit dem aktiven Zuhören und der Darstellung der gegebenen Phänomene. Diagnosen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die Würde des Menschen steht im Vordergrund, sein berechtigter Wunsch auf Selbstverwirklichung in seinem Umfeld.

Das Dasein ist wie ein Buchstabe: Er wird nur erkennbar auf dem Hintergrund des weißen Papiers. Die Schönheit des Lebens kommt voll zur Geltung, wenn ich mir die Möglichkeit des Nicht-Seins vorstelle.

Hier ein paar Literaturhinweise:

Achenbach, Gerd B., Lebenskönnerschaft, Freiburg: Herder, 2001

Beck, Ulrich, Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, Frankfurt: Suhrkamp 2007, 367

Blaschke, Siegfried, Praxis der Philosophie und philosophische Praxis. In: Witzany, Günther (Hg.):    Zur Theorie der Philosophischen Praxis, Essen, Blaue Eule 1991, 22

Gross, Peter, Ich-Jagd. Im Unabhängigkeitsjahrhundert, Frankfurt, Suhrkamp, 2005

Luhmann, Niklas, Die Gesellschaft der Gesellschaft. 2 Bd, Frankfurt, Suhramp,1997

Pfadenhauer, Michaela, Professionalität. Eine wissenssoziologische Rekonstruktion institutionalisierter Kompetenzdarstellungskompetenz, Opladen, Leske und budrich, 2003, 62f

Riedenauer, Markus, Philosophische Praxis, Bildung oder Beratung oder Psychotherapie? Reflexionen zu ihrer Standortbestimmung. In: gutknecht, thomas, Bennent-Vahle, heidemarie, Polednitschek, thomas (Hg.) Lust am Logos (Jahrbuch der Internationalen Gesellschaft für Philosophische Braxis, Bad. 4, Berlin, 185-195, 2011, 188ff

Stölzel, Thomas, Unvermeidliche Berührungspunkte – notwendige Abgrenzungen. Einige Ideen zur Verhältnisbestimmung von Philosophischer Praxis und Psychotherapie. In: gutknecht, Thomas, Himmelmann, Betrix, Polednitschek, Thomas (Hg..) Philosophische Praxis und Psychotherapie. Gegenseitige und gemeinsame Herausforderungen (Jahrbuch der Internationalen Gesellschaft für Philosophische Praxis, Bd. 3), Berlin, LIT 2008, 66